Alphabetische Reihenfolge

A

B

C

D

E

F

H

İ

K

L

M

N

P

R

S

Ş

T

V

Y

Z

Chronologische Reihenfolge

Thematische Reihenfolge

Biographische Suche

Kassia

Kassia

Erste Komponistin der Welt, deren Werke überliefert sind
"Wenn es notwendig ist zu reden, ertrage ich das Schweigen nicht."

Geboren: 810

Geburtsort: Constantinople

Gestorben: 890

In: Insel Kasos, Griechenland

Begraben: Insel Kasos (in der ihr gewidmeten Kapelle steht zwar ihr Marmorsarkophag, aber ihre Gebeine wurden auf die Insel Ikaria gebracht.)

Inhalt

Galeri

Kassia   Kassia   Kassia

Wirkungsbereich

Komposition

Kassia, die in verschiedenen Quellen auch als Kasia, Kassiane, Kassiani, Casia, Ikasia, Cassia, Cassiane, Kassiana, Kassianh, Ikasia oder Eikasia bezeichnet wird, ist die älteste, der Welt bekannte Komponistin, deren Werke bis heute überliefert sind. Die Byzantinerin komponierte geistliche Musik, wovon mehr als 50 Stücke erhalten sind.

Im Jahre 826 (andere Quellen sprechen auch vom Jahr 830) wurde für den Kaiser Theophilos (Regierungszeit von 829 bis 842) eine Brautschau abgehalten. Unter den Begutachteten befand sich auch die gleichaltrige Kassia, die das Gefallen des Herrschers zu erwecken vermochte. Um ein (vielleicht theologisches) Gespräch mit der Auserwählten zu beginnen, sprach Theophilos den Satz: "Frauen sind die Wurzel allen Übels", worauf Kassia antwortete: ͈ "Durch die Frauen kam das Gute in die Welt ".

Der Ausspruch des Theophilos, Frauen seien die Wurzel allen Übels, spielt auf die Vertreibung aus dem Paradies an, die deswegen erfolgte, dass Eva Adam den Apfel überreicht hatte. Kassia hingegen verweist mit ihrer Antwort, die Frauen hätten das Gute in die Welt gebracht, auf die Gottesmutter Maria. Theophilos, von dieser klugen Antwort irritiert, wählte daraufhin eine andere Kandidatin und heiratete Theodora (als Kaiserin Theodora II.), die sich auch unter den Begutachteten befand, die es aber vorzog, ehrfurchtsvoll zu schweigen.

Nach diesem Vorfall gründete Kassia auf Xerolophos, dem siebten Hügel Istanbuls (heute Samatya, Çapa und Cerrahpaşa), ein Frauenkloster, dessen Leitung sie übernahm. Ihr Name blieb stets mit diesem Kloster verbunden. Bis zu ihrem Lebensende arbeitete sie hier, verfasste ihre Schriften und Dichtungen und schuf ihre Kompositionen.

Werke
(Auswahl)
Dichtung

Neben ihren Kompositionen sind auch 261 säkulare Gedichte erhalten, die man Kassia zuschreibt.

I hate a murderer condemning the hot-tempered.
I hate the adulterer when he judges the fornicator.
I hate the leper who drives out the leprous.

I hate a rich man complaining as a poor man.
I hate the poor man boasting as in wealth.
I hate a debtor who sleeps unconcernedly.

I hate the verbose in an unsuitable time.
I hate silence when it is a time for speaking.
I hate the one who conforms to all ways.

I hate the one who does not encourage everyone with words.
I hate one who speaks before examining.
I hate the one who teaches knowing nothing.
(Kassia)

Auszeichnungen

(Information liegt nicht vor)

Mitgliedschaften

(Information liegt nicht vor)

Ausbildung

Kassias Vater hatte am byzantinischen Hof eine hohe militärische Stellung inne. Gemäß den Gepflogenheiten aristokratischer Familien genoss Kassia eine hohe Bildung, die auch Philosophie und Theologie umfasste.

Soziales Engagement

(Information liegt nicht vor)

Familie und Freunde

  • Mutter:(Information nicht erhältlich)
  • Vater:(Name nicht erhältlich, Offizier (candidatos) am byzantinischen Hof)
  • Freunde: (Information nicht erhältlich)

Projekte zu ihrer Erinnerung

Musik Album
  • Kassia, CD, Byzantinische Hymnen der frühesten Komponistin des Abendlandes, VocaMe, Christophorus-Verlag 2009 (CHR 77308).
  • Artikel über Kassia auf der Webseite des Ensembles VocaMe - hier anklicken
  • Das Projekt zum 1211. Geburtstag von Kassia (2021)
    KASSIA - SONGS OF CARE - Eine CYBORG OPER über Kunst & Sorge
  • Eine Koproduktion von kainkollektiv, Bochum, Burak Özdemir Musica Sequenza Orchester, Berlin und dem Frauenmuseum Istanbul, u.a.

    ZEITPLAN:
    1. Jahrehälfte 2021: Komposition und Produktion der Cyborg-Oper
    2. Jahreshälfte 2021: Gastspiele in Istanbul und Polen
    Workshops mit bildenden Künstler*innen und Online-Konferenz zu Gender und Women Studies mit Partner*innen aus Polen, der Türkei, Deutschland, dazu online Ausstellung zum Projekt.

    Durch ihre innovative Lebensart ist Kassia – auch für unser aktuelles Europa – ein wichtiges Vorbild. Aus heutiger Sicht kann man wohl sagen, dass sie eine der der ersten Vordenkerinnen, Aktivistinnen und Feministinnen war. Unverheiratet gründete sie mit ihrem Frauenkloster ein wahren Empowerment Space für Frauen. Die Komponistin, Dichterin und byzantinische Äbtissin Kassia gilt als erste Komponistin, deren Werke überliefert worden sind und als eine der wichtigsten weiblichen Figuren der Byzantinischen Kunst. KASSIA gilt als schillernde Persönlichkeit. Nicht nur als Musikern, sondern auch als Schriftstellerin. Neben geistlicher Dichtung verfasst sie auch weltliche Texte von erstaunlicher Radikalität. Ihre Melodien prägen die Musik zwischen Orient und Okzident und sind Vorreiter*innen der sakralen Musik, wie wir sie heute kennen.

    Diese 'Powerfrau' und zugleich historische Figur KASSIA nehmen kainkollektiv gemeinsam mit Burak Özdemir und dem Musica Sequenza Orchester als Ausgangspunkt für eine queer-feministische Musikinstallation, die im kommenden Jahr zwischen Berlin, Istanbul, Bochum und Krakau/Warschau entstehen wird. Im Dialog mit den überlieferten Werken sollen neuen Kompositionen entstehen: als elektro-akustische Übersetzung in unsere Zeit. Historische Instrumente, wie die Kamantsche, sowie historischer Gesang sollen auf diese Weise in der heutigen Pop-Musik sichtbar werden: Wir wollen Kassia als Pop-Ikone, als 'Beyonce' ihrer Zeit erscheinen lassen.

    Zu ihrem 1211. Geburtstag möchten wir ihr das Projekt KASSIA widmen. Um der Komplexität der Figur KASSIA – mit ihrem historischen und dabei zugleich innovativen Charakter – gerecht zu werden, wird es neben der Bühnenproduktion auch eine online Ausstellung zu KASSIA sowie eine online Konferenz in Kooperation mit dem Frauenmuseum Istanbul geben. Ausstellung und Konferenz sollen eine Plattform für die Vernetzung verschiedener Fakultäten der Women – und Genderstudies, Frauenmuseen u.a. ermöglichen, zwischen Deutschland, der Türkei und Polen.

    Denn insbesondere vor dem Hintergrund, dass Polen und die Türkei die Istanbul-Konvention in Frage stellen und momentan einen Austritt aus dieser diskutieren, ist ein solcher Austausch besonders zwingend und wichtig!

    „Ich hasse das Schweigen, wenn es die Zeit ist zu reden. / Ich hasse den, der sich stets konform gibt. / Ich hasse den, der nicht jedermann mit Worten ermutigt. / Ich hasse den, der ohne Prüfung spricht. / Ich hasse den, der ohne Wissen lehrt."
    KASSIA (810-890)

Weiterführende Literatur

Quellen

Textquellen
Bildquellen

Übersetzung ins Deutsche: Sabine Ott, Istanbul
Redaktion: Hans-Martin Dederding, Erlangen

©2012 Meral Akkent
euro.message madebycat ®